Wir kaufen unsere Klamotten im Kaufladen, aber welchen Weg sie bis dahin zurück gelegt haben wissen wir oft leider nicht. Dies liegt hauptsächlich an der hohen Komplexität der Textilkette. Zuerst müssen die Rohstoffe wie z.B. Baumwolle angebaut werden oder synthetische Fasern chemisch hergestellt werden. Dann wird daraus Garn gesponnen und an einem weiteren Ort zu Stoffen gewebt. Es folgt ein Veredlungsprozess, in dem z.B. gefärbt wird und die Stoffe werden zur Konfektionierung gebracht. Dort wird nun der Stoff geschnitten, genäht und verpackt, eh er seinen Weg in den Handel nimmt. So kommen wir dann an unsere Ware, die nach dem Tragen der Entsorgung zufließt. 1)

Folgen für die Umwelt

Auswirkung auf die Umwelt und die beteiligten Personen hat dabei jeder einzelne Schritt der Textilkette. So wird beim Baumwollanbau viel Wasser benötigt und ein hoher Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden steigert die Produktion. Der Prozess des Spinnens benötigt problematische Hilfsmittel, wie Spinnöle und führt zu den textilen Abfällen. Die Veredlung benötigt eine Vielzahl an Chemikalien und hat neben einem hohen Wasserverbrauch auch einen starken Energieverbrauch zu verbuchen. Die Konfektionierung weist ein hohes Abfallaufkommen auf und führt zu Staub- und Lärmbelastungen. Selbst beim Tragen verschmutzen sich lösende Stoffe das Abwasser und wir nehmen Schadstoffe über die Haut auf. Nach dem Tragen kommt es dann bei der Entsorgung zu Schadstoffausstoß und Flächenverbrauch durch die Deponierung.2) Da viele der beschriebenen Schritte der Textilkette an unterschiedlichen Standorten durchgeführt werden, hat jedes Kleidungsstück eine lange Reise auf seinem Weg vor sich, was zu zusätzlichen Emissionen und Energieverbrauch führt.

Wer ist am Herstellungsprozess beteiligt?

Aber auch die Arbeitsschritte der einzelnen Menschen auf dem Weg vom Acker zum T-Shirt sollte man kennen. So arbeiten z.B. im Nähbereich in Bangladesch fast zwei Millionen Menschen, 85 Prozent davon sind Frauen. Die maximale erlaubte Arbeitszeit beträgt 60 Stunden, wobei viele Näherinnen 80 bis 90 Stunden die Woche arbeiten. Vor elf Jahren hat man den gesetzlichen Mindestlohn für eine Näherin mit 18 Euro im Monat festgesetzt und seitdem nicht erhöht. Das ist ein Lohn, der selbst in einem Entwicklungsland wie Bangladesch nicht zum Leben reicht. 3)
Viele große Modeketten haben dabei mittlerweile auf die aufkommende Kritik reagiert, sie versprechen gewisse Arbeitsstandarts zu überwachen und werben mit fairer Produktion. Das dies leider nicht immer gut umgesetzt wird, belegt z.B. folgende Sendung der ARD. Ausgebeutet für deutsche Billigmode?
Auch die Initiative "Clean Clothes"-Kampage hat herausgefunden, dass noch immer in vielen Produktionsstätten schwere Arbeitsrechtsverletzungen vorfallen, wie z.B. monatelange Zurückhaltung von Löhnen, Kautionszahlungen von Beschäftigten für Fabrikjobs und Kinderarbeit. Auf der Homepage kann man sich dabei sehr detailliert über einzelne deutsche Ketten informieren.

 


1) Sozial-ökologische Mode auf dem Prüfstand, SÜDWIND 2009
2) Greenpeace 2009, 12-13
3) http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/457393/

 

Ausgezeichnet durch den NACHHALTIGKEITSRAT
Auszeichung Werkstatt Projekt 2012  

Falls nicht anders bezeichnet, ist der Inhalt dieses
Wikis unter der folgenden Lizenz veröffentlicht:
CC Attribution-Noncommercial-Share Alike 3.0 Unported

© 2011-12 Umwelthandbuch Stuttgart